Tonnie de Graaf
(1926-1996)



Biografie

Tonnie de Graaf wurde am 13. September 1926 in Nijmwegen (Holland) geboren. Nach dem frühen Tod des niederländischen Vaters ging die deutsche Mutter 1937 mit den beiden kleinen Söhnen zurück in ihren Heimatort Stadtoldendorf im Weserbergland, wo der Komponist aufwuchs. Mit nur 17 Jahren wurde er 1944 eingezogen und musste das letzte Kriegsjahr als Soldat durchstehen, was mit einer Verwundung tiefe Spuren hinterließ. Sein Studium für Komposition und Klavier absolvierte er bei Werner Oehlmann und Siegfried Schultze in Braunschweig. Sowohl der Tod des Vaters als auch die Kriegsfolgen führten dazu, dass für weitere Studien die finanziellen Mittel fehlten. So wirkte er als freischaffender Komponist und Pädagoge Zeit seines Lebens in Stadtoldendorf. Eine gute Ehe, ein glückliches Familienleben mit zwei Töchtern waren fester Rückhalt und Stärkung in allen Höhen und Tiefen, die das Leben allgemein wie auch der schöpferische Prozess des Komponierens mit sich brachten. Nach langer, schwerer Krankheit starb er im Alter von 70 Jahren am 20. Februar 1996.

Das Oeuvre von Tonnie de Graaf besteht schwerpunktmäßig aus Werken für bzw. mit Klavier. Sein Werkverzeichnis umfasst zwölf Klaviersonaten, zahlreiche Klavierstücke (zu Zyklen unterschiedlicher Länge zusammengefasst), Lieder für Gesang und Klavier, sieben Werke für Sprecher/in und Klavier sowie eine Suite für Orchester und ein Concertino für Klavier und Streichorchester. Die Werke des Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind der strengen, unerbittlichen Selbstzensur des Komponisten zum Opfer gefallen. Aus diesem Grund zeigt das von ihm als Opus 1 bezeichnete Werk, die "15 Improvisationen" für Klavier, bereits eine vollkommen ausgereifte Klangsprache und ist den späteren Kompositionen absolut ebenbürtig. Die Klavierkompositionen wurden mit großem Verständnis für die Möglichkeiten des Instrumentes geschrieben und liegen demzufolge gut in der Hand. Diese Musik ist nicht gegen, sondern für das Klavier geschrieben worden, was in der zeitgenössischen Musik nicht selbstverständlich ist. Auch wenn die Kompositionen nicht experimentell orientiert sind, so sind sie doch keineswegs konservativ- rückwärtsgewandt. Ein pianistisch sehr dankbares Repertoire abseits der gängigen Strömungen des 20. Jahrhunderts, das sich ohne jede billige Effekthascherei vollkommen auf eine Aussage von höchster Intensität konzentriert und dabei melodisch geprägte, eher zierliche Passagen mit Eruptionen großer Klanggewalt zu einem ausgewogenen Ganzen verbindet.
(Rebecca Bastemeyer)



Werke bei Inventio

Sonate No. 1 (Klavier solo)
Sonate No. 2 (Klavier solo)
Sonate No. 3 (erscheint in Kürze)
Sonate No. 4 (Klavier solo)
Sonate No. 5 (erscheint in Kürze)
Sonate No. 6 (erschienen bei Heinrichshofen)
Sonate No. 7 (erscheint in Kürze)
Sonate No. 8 (erscheint in Kürze)
Sonate No. 9 (erscheint in Kürze)
Sonate No. 10 (erscheint in Kürze)
Sonate No. 11 (erschienen bei Heinrichshofen)
Sonate No. 12 (erscheint in Kürze)



Pressearchiv

Formal frei, fern aller Konvention (neue musikzeitung | Mai 2007)
Große Gesten und klare Kontraste (Nordwest-Zeitung | 20.03.2007)