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Christoph J. Keller Der Antichrist Melodramatisches Oratorium für Sprecher, Gesangssolisten, Chor, Orgel, Trompete, Posaune und Schlagzeug Leihmaterial | Preis auf Anfrage |
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Der Komponist über das Werk
Die KURZE ERZÄHLUNG VOM ANTICHRIST, welche der russische Philosoph und Theologe Wladimir Solowjew am Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben hat und die im Jahr 1900 kurz vor seinem Tod erstmalig veröffentlicht wurde, hat mich schon seit vielen Jahren beschäftigt. Es geht in dieser in die Zukunft weisenden Erzählung um die Auseinandersetzung mit den Kräften des Bösen. Solowjew stellt in konzentrierter Form die verschiedenen Wirkensweisen des Bösen dar: Als persönliche, auf die Individualität gerichtete Wesenheit, als spirituelle Kraft und als Zeitgeist, um nur einiges zu nennen. Mich fasziniert besonders Solowjews psychologischer Tiefenblick, welcher den Lebensweg des Antichristen, seinen Schicksalsweg, charakterisiert, welcher den Punkt seiner Verführbarkeit genauestens beleuchtet und den Wendepunkt im dramatischen Prozess schildert, wo sich die Veranlagung zum Guten in ihr Gegenteil verkehrt - einer Lebenssituation, der sich meiner Meinung nach jeder Mensch irgendwann einmal stellen muß.
Die zweite große Frage, die der Antichrist später selber den Religionsvertretern der Christenheit stellt: "Was ist euch das Teuerste am Christentum?" - ist die Auseinandersetzung der großen Religionsgemeinschaften mit dem Wesen, bzw. dem Wesentlichen, dem Zentrum und der Wurzel des Glaubens, Christus selber. Die unterschiedlichen Antworten der einzelnen Repräsentanten der Religionsgemeinschaften beim "letzten ökumenischen Konzil" werden zu erstaunlichen und verblüffenden Ergebnissen und Wirkungen führen.
Als Drittes ist von großer Bedeutung, das Solowjew die geschilderten Ereignisse "an den Beginn des 21. Jahrhunderts", also in unsere Gegenwart legt. Die Schilderungen und Charakterisierungen des Zeitgeistes, wie er von Solowjew vorausgeschaut wurde, könnte treffender nicht sein.
Bei der Einrichtung eines oratoriengeeigneten Librettos habe ich lediglich Charakteristika, welche die damalige politische Situation in Russland betreffen, herausgenommen. Zum Originaltext wird der Chor einige charakteristische Choräle singen, welche, wie auch schon in den barocken Oratorien, das Geschehen aus Sicht des Hörers kommentieren, ausdeuten oder reflektieren. Die Gesangssolisten nehmen die Rollen des Antichristen (Tenor), der Vertreter der christlichen Glaubensgemeinschaften (Bass) und der von mir zusätzlich eingefügten Christusstimme (Sopran) ein. Der Sprecher führt melodramatisch durch das Geschehen, indem er nicht nur im üblichen Sinne, also solistisch oder zu den verschiedenen Instrumenten erzählt, sondern auch manchmal parallel zum Chor oder den Solisten, so dass in der Gleichzeitigkeit der Textgeschehnisse eine übergeordnete Ebene, gewissermaßen eine künstlerische Aura des Ganzen, für den Zuhörer entsteht. Dies halte ich für besonders wichtig, weil das Thema der Verwandlung, letztendlich bis hin zur geheimnisvollen Wesensverwandlung von Tod und Auferstehung, in dem Werk eine zentrale Bedeutung hat und dies die künstlerische Ebene ist, in der solches erahnbar werden kann.
Das die Atmosphäre ausgestaltende Instrumentarium ermöglicht einerseits eine bis ins Sinfonische reichende Klangfülle - Orgel, Chorvocalisen und großes, farbenreiches Schlagzeuginstrumentarium -, andererseits eine Orientierung sehr nahe an den Ausdrucksfacetten der menschlichen Sprache, wozu mir Trompete und Posaune in ihren vielfältigen Klangmöglichkeiten als besonders geeignet erscheinen. Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl der Instrumente bestand für mich darin, neben solchen, die in der Tonhöhe festgelegt sind, auch welche zu verwenden, wie z.B. die Posaune, Pauken, Flexaton, Tamtam und Wassergong, die es ermöglichen, jenseits der durch die temperierte Stimmung festgelegten Tonhöhe zu spielen. Natürlich habe ich dazu neben unterschiedlichen Glissandoarten auch besondere Spieltechniken eingesetzt, wie das Spielen von Trompete, Posaune oder Gong im, bzw. mit Wasser, das Streichen von Becken oder Tamtam mit dem Bogen, verschiedene Blastechniken, wie das Sputato oder ein tonhöhenmodulierendes Vibrato u.v.m.
Teil 1: Zu Beginn der INTRODUKTION führen uns die Klänge von Pauke, Röhrenglocken, Wassergong, Trompete und Chorvocalisen in die magische Atmosphäre und Grundstimmung hinein, welche im ganzen Werk vorherrschen wird. Kurz darauf erklingt erstmalig in der Posaune das "Dies irae" aus dem mittelalterlichen Requiem, zudem, zuerst in der Trompete, später auch durch die Orgel, der zum Ende der Introduktion vom Chor gesungene Choral "Wenn ich einmal soll scheiden". Im Zentrum des Eröffnungsteils steht der Eingangschor mit dem Text eines Gedichtes, welches Solowjew seiner Erzählung im Anhang hinzugefügt hat und das die Grundzüge und Charakteristika der Handlung in dichterischer Form vorstellt.
Laßt, o laßt euch nicht betören:
Nicht des Zufalls Machtgebot
Kann die Gotteswelt zerstören,
Nicht ein blindes Schicksal droht.
In des Meeres Nebelwallen
Sah ich finstren Teufelsspuk
Drohend sich zusammenballen, -
Nein, - es war kein Sinnestrug.
Wachend sah ich sich erheben
Teufelsscharen, Höllenbrut;
Bis ins Innerste erbeben
Ließ mich ihrer Worte Wut.
Seht den Feind die Fäuste ballen
Die Materie ist nur Trug! ...
In des Meeres Nebelwallen
Sah ich klar den Teufelsspuk.
ES IST AN DER ZEIT führt uns an das Ende der Handlung, die "Vereinigung der Kirchen inmitten dunkler Nacht an einem hochgelegenen und einsamen Ort". Wir befinden uns inmitten der letzten Ereignisse, deren Schlüssel und Verständnis sich uns während des weiteren Werkes mehr und mehr offenbaren wird. Die Melodie des Soprans (Christusstimme) am Ende der Introduktion und verschiedene Motive des ariosen Sprechgesanges vom Bass werden im Fortlauf der Komposition immer wiederkehren, einerseits die Handlung symbolisch ausdeutend, anderseits sich entwickelnd und wandelnd. Zum Ende des ersten Teils erscheint das apokalyptische Bild aus der Geheimen Offenbarung des Johannes: "Ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen."
Im zweiten Teil pendelt der musikalische Ausdruck zwischen anmutigen, trostspendenden, schwärmerischen Klängen und einer sich steigernden expressiven Dramatik. In BEGEGNUNG AM ABGRUND wird zunächst der Geisteszustand unserer Zeit, die Geisteskultur der Gegenwart charakterisiert und danach die Genese des Antichristen vom Übermenschen mit großen Talenten und besonderer Geisteskraft hin zum sich selbst überschätzenden Solipsisten und Christusleugner beschrieben. Am Abgrund verliert dieser das Bewusstsein - auch die Musik, insbesonders die Orgel, "erstirbt" an dieser hochdramatischen Stelle - und er wird zum Opfer der Initiation der Gegenmächte, die er als "scharfen, eisigen Strom" in sich spürt und gleichzeitig als "Kraft, Wonne, Munterkeit und Leichtigkeit". Die Musik greift diese zerrüttende Ambivalenz auf und führt gegen Ende dieses Abschnitts zu einer trostspendenden und harmonisierenden Polyphonie, in welcher auch das Christusthema wiedererklingt.
Es folgen die drei WIRKENSJAHRE des Antichristen, in denen wir vieles über seine Herkunft und seine schriftstellerischen, politisch-sozialen Tätigkeiten erfahren. Die immer wieder erklingende Christusstimme des Solosoprans, verschiedene Choräle und das "Da pacem domine" (Verleih uns Frieden, Herr) bilden den Kontrapunkt zu seinem Wirken. Im Verlauf dieses Abschnitts tritt ein Verbündeter des Antichristen hinzu, der Großmagier Apollonius. Dieser wird es "unter anderem bis zu einer halb wissenschaftlichen, halb magischen Kunst bringen, die atmosphärische Elektrizität nach seinem Willen herbeizuziehen und zu lenken..." Die Musik charakterisiert und illustriert sein Wirken mit der Fortführung der Klangmagie, welche schon zu Beginn des Oratoriums aufgetreten war. Gleichzeitig enthält sie etwas Warnendes, besonders dort, wo der Chor den Namen des Apollonius ruft und mit den Septimharmonien des Eingangschores singt, wo es an genau dieser Stelle hieß: "Sah ich klar den Teufelsspuk". Das Volk lässt sich dennoch durch seine "Wunder und Zeichen" verführen, so dass zum Ende des zweiten Teils mit der Bitte "0 Herr nimm unsre Schuld" ein Ausgleich angestrebt wird, der es zwar ermöglicht, in einem anschließenden Jubelgesang zu enden, welcher aber eher die Hoffnung enthält, das Unabwendbare möge doch noch abgewendet werden.
Teil III - Letztes ökumenisches Konzil - beginnt nach einer kurzen, vom Schlagzeug begleiteten Orgelintroduktion mit dem Adventschoral "O Heiland reiß die Himmel auf". Die Ereignisse verdichten sich und führen zu einer großen Dramatik, Turbulenz und schließlich Transzendenz. Zunächst wird der Konzilsort Jerusalem vorgestellt und Details der Ausgestaltung beschrieben. Danach werden die drei Hauptvertreter der drei großen christlichen Religionsgemeinschaften genauestens charakterisiert: Der Staretz Johannes (russisch orthodox), Papst Petrus (römisch katholisch) und Prof. Pauli (evangelisch). Die Namen der drei Kirchenoberhäupter deuten auf die drei Apostel Johannes, Petrus und Paulus hin. In der Partie des Solobasses sind alle drei vereint; dies ist nicht nur ein symbolischer Zusammenschluss, sondern die drei charakterlich jeweils unterschiedlichen Motive und Melodiewendungen durchdringen sich zu einer übergeordneten Einheit.
Mit dem "Marsch der einigen Menschheit" im "Tempel der Einheit aller Kulte" beginnt die grotesk-bizarre Szenerie: Marschparodie der Orgel mit akzuentiertem Schlagzeug und Jubelrufen des Chores, verzerrtem Choral "Christ ist erstanden" in der Trompete (mit Flatterzunge), unterlegt im Tritonusabstand von der Posaune (mit Wasser). Der Antichrist als gewählter Kaiser und Vorsitzender des Konzils stellt nun die eingangs schon erwähnten Bekenntnisfragen, was zu einer starken Verunsicherung der Konzilsteilnehmer führt. Diese drückt sich u.a. im gleichzeitigen Erklingen zweier ambivalenter Texte zum Text des Sprechers aus: Einmal vom Chorbass "Gratias agimus Domine! Salvum fac magnum imperatorem!" (Wir danken Dir, Herr! Lass den großen Kaiser in Gesundheit leben!) und zum anderen vom Solobass "Non praevalebunt portae inferni" (Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen). Im weiteren Geschehen übernimmt der Chor mehr und mehr die Reaktionen der dreitausend Konzilsteilnehmer und drückt das aus, was sich in deren Seelen durch das Erleben der Ereignisse widerspiegelt. Der Staretz Johannes erkennt als erster "Kindlein der Antichrist!" und muss sein Bekennen, hervorgerufen durch die Magie des Apollonius, mit dem Leben bezahlen. Als nächster meldet sich Papst Petrus zu Wort: "Contradicitur!" (Es wird widersprochen). Im Moment des Einsatzes seiner geistlichen Autorität - "Durch die Macht Christi stoße ich dich reudigen Hund auf ewig aus aus dem Garten Gottes und übergebe dich deinem Vater, dem Satanas!" - wird auch er, trotz des Choraufrufes "Pereant!" (Sie mögen zugrunde gehen) durch die magischen Manipulationen des Großmagiers getötet. Die Musik verwandelt sich: Nach dem Abbild des Schreckens über die Ereignisse wird sie zunehmend zum Gebet - "Adveniat cito!" (Er komme bald). Im Tempel treten Zeichen der Verwandlung auf bis hin zum apokalyptischen Bild "Am Himmel erschien ein großes Zeichen...", welches wir zum Ende des ersten Teiles schon erlebten. Nach der Friedensbotschaft der Christusstimme entfaltet sich nochmals eine große Polyphonie, bestimmt vom Auferstehungschoral "Christ ist erstanden" und dem christlichen Urgebet, dem Vaterunser, bevor die Musik in einem allmählichen Diminuendo zur Stille führt.
Inhalt
Teil III: Introduktion
Teil III: Es ist an der Zeit
Teil III: Begegnung am Abgrund
Teil III: Wirkensjahre
Teil III: Letztes ökumenisches Konzil
Pressestimmen zur Uraufführung
Dem ewigen Menschheitskonflikt zwischen den Mächten von Gut und Böse hat Christoph J. Keller in dem melodramatischen Oratorium "Der Antichrist" musikalische Gestalt verliehen. Inspiriert von der "Kurzen Erzählung vom Antichrist" und fasziniert vom psychologischen Tiefenblick des Verfassers, dem russischen Philosophen und Theologen Wladimir Solowjew, hat Keller auf eindrückliche Weise Traditionelles mit Neuem verknüpft. Die Uraufführung in Oldenburg unter der Leitung von Johannes von Hoff setzte die monumentale Dimension des Werkes überzeugend in Szene.
Die vom Oldenburger Kammerchor ausdrucksstark vorgetragenen Choräle kommentieren quasi aus Sicht des gläubigen Volkes das Geschehen in gewohnter Manier eines barocken Oratoriums. In Verbindung mit den gesprochenen Texten (Sprecher: Thomas Birklein) sind vor allem sie es, die dem Werk Kontinuität und Zusammenhalt verleihen. In der recht ungewöhnlichen Instrumentierung liegt der Schlüssel zur Interpretation des Oldenburger Komponisten und Pädagogen: Keller steht im Bann der Wendepunkte, der Ecken und Kanten der Thematik. Die seelischen Qualen der Protagonisten werden in ihrer extremen Spannweite - vom Messias zum Antichrist - herausgearbeitet. Auf die weichen Klangfarben von Streichern und Holzbläsern verzichtet Keller folgerichtig vollständig. Das groß dimensionierte Schlagwerk ist hingegen äußerst facettenreich besetzt. Röhrenglocken, Becken, Pauken, Vibraphon, Wassergong, Flexaton unter anderem wurden von Axel Fries, Freerk Jürgens und Simon Etzold virtuos bedient. Zwischen Chor und Schlagzeuginstrumentarium schlagen Posaune (Pascal Morgenstern) und Trompete (Paul Hübner) eine Brücke. Keller lässt sie mit Vorliebe jenseits der durch die temperierte festgelegten Tonhöhe spielen.
Immer wieder erlebt der gebannte Zuhörer im Verlauf des Oratoriums dramatische Steigerungen in extremes Fortissimo, spürt er dem Verhallen des einzelnen Paukenschlages nach. Besonders eindrucksvoll gelang die zentrale Passage von der Genese des Antichristen vom talentierten Übermenschen hin zum Christusleugner, die in der Initiation der Gegenmächte gipfelt.
Tom Sol (Bass) sang die Partien aller drei Vertreter der christlichen Glaubensgemeinschaften und stilisierte so die Nähe der Figuren im vereinten Kampf gegen das Böse. Kantable Melodien sind dabei nicht die Sache Kellers. Vielmehr ist die Kunstfertigkeit des Sängers gefragt, extreme Sprünge, zerklüftete Linien zu meistern. Sopranistin Ina Jannsen symbolisiert die Anwesenheit Christi mittels Vocalisen. Für den modernen Menschen sicherlich mehr Wunschtraum denn echte Hoffnung singt der Sopran zum guten Ende klar und verständlich Jesu zentrale Botschaft: Der Friede sei mit euch.
(Dominik Zimmermann in neue musikzeitung | November 2008 | 11/08)
Düster und fahl erhebt sich ein magischer Klang, der vom Schlagwerk geprägt ist. Die Schläge der Röhrenglocken wirken wie dunkle Vorahnungen. Eine schattenreiche, mystische, manchmal eruptive Musik nimmt ihren Anfang. Christoph J. Kellers melodramatisches Oratorium "Der Antichrist", das unter der Leitung von Johannes von Hoff jetzt zum Abschluss des Musikfestes "900 Jahre Oldenburg" in St. Ansgari uraufgeführt wurde, gründet auf der "Kurzen Erzählung vom Antichrist" des Russen Wladimir Solowjew. In einer Endzeit-Gesellschaft erscheint ein ungewöhnlicher "Übermensch", der seine Talente zunächst zum Wohle aller nutzt.
Doch er lässt sich zur dunklen Seite der Macht verführen, schwingt sich empor zum Beherrscher. Als er versucht, sich selbst zum Zentrum des christlichen Glaubens zu erheben, scheitert er. Denn die Besinnung auf Christus eint die Gläubigen.
Dramaturgisch geschickt hat Keller den Stoff in Klang verwandelt. Schon bald wird das gute Ende angedeutet, doch spät erst kann der Hörer sukzessiv die Zusamenhänge durchblicken. Kellers Musik wirkt dabei eindringlich und assoziativ, führt im ersten Teil emotional in die Atmosphäre ein. Mythisch lässt er den oft das Geschehen kommentierenden und den Text ausdeutenden Chor - in St. Ansgari ist es der grandiose Oldenburger Kammerchor - einen dunklen Choral vorweg singen.
Die Besetzung des die hohen instrumentalen Ansprüche brillant erfüllenden Ensembles, in dem neben Orgel (Tillmann Benfer), Posaune (Pascal Morgenstern) und Trompete (Paul Hübner) gleich drei Schlagzeuger (Axel Fries, Freerk Jürgens, Simon Etzold) tätig sind, unterstreicht die Finsternis. Für die folgende Entwicklung, durch die Schauspieler Thomas Birklein als Sprecher führt, entfesselt Keller oft lang aufgebaute Klangmassen. Doch an den Wendepunkten - etwa der Metamorphose des "Antichrist", bei dem ein leiser Orgel-Cluster hinab ins Nichts führt - entwickelt Keller gerade aus der Reduktion größte Spannung. Tenor Jan Remmers gestaltet die Seelenwandlung der Hauptfigur stimmlich vielseitig und psychologisch tiefsinnig aus. Tom Sol verleiht den Führern der drei großen Kirchen mit seinem mächtigen Bass immer stärkeres Gegengewicht.
Dann verkündet Sopranistin Ina Jannsen als "Christus" hell glänzend die Friedensbotschaft. Und nach himmlischem Verklingen und langer Stille bricht der Beifall in der voll besetzten Kirche los.
(Volker Timmermann in Nordwest-Zeitung | 16.09.2008)











